Wo beginnt eigentlich Afrika?

Rein geographisch gesehen ist die Sache klar. Ein Blick auf den Globus zeigt: Beim Verlassen der Fähre, wenn wir in Ceuta an Land rollen, betreten wir den afrikanischen Kontinent. Vom geologischen Standpunkt allerdings, müssen wir noch rund 1000 Kilometer weiter in den Süden reisen. Die Senke zwischen dem Hohen Atlas und dem Antiatlas, also ungefähr auf der Höhe von Agadir wird auch als vorafrikanische Furche bezeichnet und trennt die afrikanische Tafel mit ihren zum Teil mehr als eine Milliarde alten Gesteinen, von den geradezu jugendlichen Faltengebirgen Nordmarokkos, die zur selben Altersgruppe zählen wie unsere Alpen.

Doch die Fakten sind nur eine Sache. Was beim Reise zählt, ist das Erlebte. Und da empfangen uns erste Vorboten Afrikas längst vor dem Verlassen des europäischen Kontinents, so etwa die wundervolle, alte maurische Architektur und die marokkanischen Souvenierhändler in Granada. Auf dem Weg zur Fähre in Algeçiras überholen wir an einer Steigung einen ersten völlig überladenen marokkanischen Kleintransporter, auf dessen Dach sich Tische und Stühle türmen. Ein Mitbringsel für die Familie in der alten Heimat?

Auf dem Hafengelände in Algeçiras geht es – ganz anders als bei meiner letzten Marokko-Reise – recht geordnet zu. Ob es damit zusammenhängt, dass wir diesmal nach Ceuta übersetzen, also Spanien erst auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar verlassen? Vielleicht liegt es auch daran, dass nur wenig los ist. Wir reihen uns hinter weißen Plastikwohnmobilen und einem Rundhauber ein, der mir von meiner letzten Tour bekannt vorkommt. Auch Mike erinnert sich sofort an Ferdinand: Wir haben uns in Sidi Ifni getroffen. Er und seine Frau sind ebenfalls auf dem Weg in Richtung Senegal. Wir werden uns also sicher noch das eine oder andere Mal begegnen.

In Ceuta machen wir einen Stopp im Supermarkt – eigentlich nur wegen einer Kleinigkeit, aber der kurze Halt hat sich gelohnt: In typisch spanischer Manier hängen hier dicke Schinken von der Decke, nicht nur in der Metzgerei, sondern als regelrechtes Schinkentor, das den Eingang zur Abteilung mit den spanischen Fleisch und Wurstspezialitäten bildet. Es wirkt schon sehr befremdlich, vor dieser Kulisse (fast ausschließlich) Frauen mit Kopftüchern einkaufen zu sehen (Ob sie auch durch das Tor schreiten, konnten wir allerdings nicht beobachten). Wir mögen uns hier in der EU befinden, aber nach Europa sieht das ganz bestimmt nicht mehr aus!

Weiter geht es – immer den Schildern "Marruecos" folgend – zur Grenze, die wir mit verhältnismäßig wenig Theater passieren. Das verdanken wir nicht zuletzt Carlos, der nicht nur, wenn man der Reisecommunity Glauben schenkt, die günstigsten Fährtickets verkauft, sondern auch gleich die Zollpapiere für das Fahrzeug vorbereitet und sie dann seinen Kunden mit einem strahlenden Lächeln sowie einem abgepackten Kuchen und einer Flasche Cidra überreicht.

Dennoch machen sich die marokkanischen Grenzer und die überflüssigen "Helfer" natürlich alle herrlich wichtig, mal soll man vor fahren, dann wieder auf gar keinen Fall. Dann wieder unbedingt den Motor ausmachen (nachdem es gerade "vorfahren" hieß), und schließlich will man noch einen Blick ins Innere werfen und wissen, ob wir vielleicht Waffen im Auto haben, was auf unser klares "Nein" hin natürlich nicht ohne ungläubige Rückfrage geht. Zum Schluss entdeckt einer unseren Bruce Lee, der vorne aus dem Fenster schaut (An dieser Stelle einen Gruß an Patrick!), was große Begeisterung auslöst, und so rollen wir endlich unter großem Gelächter auf die marokkanische Seite. Dort ruft – fast wie zur Begrüßung – gleich der Muezzin, und nachdem es bis dahin den ganzen Tag geregnet hatte, reißt sogar der Himmel auf und wir fahren in der marokkanischen Nachmittagssonne in Richtung Chefchauen.

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