"Fischer" in der Wüste

Ich bin schon lange ein Wüstenfan und Stephan wird es schlagartig, als wir uns von Guelmim aus auf den Weg in den Süden und zur Westsahara machen. Wir durchqueren Steinwüsten, fahren an großen Sanddünen vorbei, sehen riesige Salzseen, fahren über weite, öde Ebenen und brummen immer wieder an der Atlantikküste entlang, die mal schroff und steil ist, mal in sanften Sandstränden ausläuft.

Und falls die Landschaft doch mal langweilig wird, taucht garantiert bald ein Kontrollposten auf (mal Militär, mal Polizei), wo unsere Daten erfasst werden. An gut organisierte Reisende gewöhnt, fragen sie meist gleich nach einem "Fiche", einem Zettel, auf dem alle wichtigen Informationen wie Name, Passnummer, Beruf (ich bin seit meiner Ankunft in Marokko wieder Biologin) KFZ-Kennzeichen und Name der Eltern stehen. Wir verpassen ihnen den Spitznamen "Fischer" und finden es schade, dass wir keinen Plastikfisch an Bord haben.

Die Städte hier sind eher nichtssagend, Laayoune wirkt auf uns fast gespenstisch ruhig: Nur vereinzelt sitzen Männer vor den Cafés, Frauen sehen wir fast gar nicht, und die allermeisten Menschen auf den Straßen sind uniformiert – möglicherweise eine Nachwirkung der Unruhen vom November.

Trotzdem geht uns die Fahrt durch die Westsahara ein bisschen zu schnell. Immer wieder erspähen wir nette Lagerplätze, die zum Verweilen einladen, und Strände, die geradezu zum Muschelsammeln auffordern. Aber, wie schon erwähnt: Wir sind verabredet und wollen Uwe und Ilona nicht zu lange warten lassen. So fahren wir zügig in den Süden, übernachten einmal bei Tarfaya, kurz vor der ehemaligen Grenze, und einmal in Boujdour, wo wir durch Zufall noch in den Genuss eines Live-Konzertes kommen. Der halbe Ort scheint auf den Beinen zu sein: Vorne vor der Bühne tanzen die Jungs, hinten sitzen Familien. Kleine Mädchen schwingen keck ihre Hüften, halbwüchsige Girlies pirschen sich kichernd ans Getümmel der Jungs heran. Wir sind die einzigen Europäer und damit natürlich (gleich nach der Band) die Attraktion schlechthin!

In Dakhla treffen wir Uwe und Ilona, sowie Bernd und Jasmin, die gerade völlig genervt und abgezockt aus dem Senegal zurückgekommen sind. Wir beschließen trotzdem unsere eigenen Erfahrungen zu machen und brechen zu viert in Richtung zur mauretanischer Grenze auf. Unterwegs gabeln Uwe und Ilona noch ein älteres Pärchen (Uli und Agi, beide über 70) aus Bergheim auf, die ebenfalls nach Gambia zu einem gemeinsamen Bekannten unterwegs sind. So sind wir mittlerweile eine recht illustre Truppe.

Die letzte Nacht auf marokkanischem Boden verbringen wir rund 80 km nördlich der Grenze, an einem schönen Lagerplatz, am Meer, wo uns schon Greolf und Gisela erwarten – ebenfalls Bekannte von Uwe und Ilona. Ferdinand kommt hier allerdings wegen des Sandes nicht ganz ohne Unterstützung von Joseph (dem Deutz) hin. Dafür gibt's nach getaner Arbeit frischen Miesmuscheln direkt aus dem Meer und unseren restlichen Pastis, den wir noch vor der Grenze "entsorgen" wollen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Helene (Sonntag, 13 März 2011 09:28)

    Schön,dass wir mit Euch in so eine schöne , fremde Welt eintauchen dürfen!
    Gute Fahrt!

Team Ferdinand
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