Wir sind im Senegal!

Zur Grenze war es heute Morgen nicht mehr weit, und das Prozedere dort – nach all dem, was wir im Vorfeld gehört haben – erstaunlich unkompliziert. Ok, wir zahlen an ein oder zwei Stellen eine Gebühr von 10 Euro, die wir hätten verweigern können, aber das ist eben Lehrgeld. Für die Autos bekommen wir – trotz Carnet de Passages – zunächst ein zweitägiges Passavant, mit der Auflage danach entweder auszureisen oder in Dakar das Carnet stempeln zu lassen. Das ist die derzeit übliche Praxis an den beiden Grenzübergängen im Norden. Auf mein Nachfragen tut sich dann aber die Möglichkeit auf, das Passavant in St. Louis verlängern zu lassen. Zum Glück – schließlich wollen wir hier in der Gegend gerne ein bisschen bleiben.

Der Rest der Truppe beschließt das Passavant nicht zu verlängern, sondern direkt nach Dakar und dann nach Gambia zu fahren, und so trennen sich unsere Wege. Ich denke, wir werden uns später in Gambia nochmals treffen. Stephan und ich machen uns auf den Weg nach St. Louis zum Zollamt, meistern die erste Zoll- und Polizeikontrolle ohne große Probleme (wir führen vorschriftsgemäß einen Feuerlöscher, zwei Warndreiecke und zwei Warnwesten mit) und als wir schließlich in die Stadt kommen, sind wir völlig überwältigt vom prallen Leben und den vielen bunten Farben. Wie streng wirkt dagegen Mauretanien!

Auf dem Zollamt erweist sich die Angelegenheit mit dem Passavant als doch nicht ganz so unkompliziert wie es an der Grenze klang. Ich bekomme vom Sekretär eine lange Liste mit Sachen, die ich vorlegen muss, damit die Verlängerung gemacht wird. Nein, diesmal werden nicht die Namen der Eltern benötigt, aber dafür eine Bestätigung einer Unterkunft, dass wir dort wohnen und tatsächlich eine Weile in der Region bleiben wollen. Trotzdem warte ich noch geschlagene zwei Stunden, um bei Monsieur le Colonel persönlich vorzusprechen – ein ziemlicher Gockel im blauen Nachthemd mit weißem Käppchen und weißen Schläppchen. Passenderweise gehört ihm wohl auch der Hahn, der vor dem Zollamt rumläuft und immer wieder versucht, ins Büro zu gelangen. Leider erzählt mir der Colonel auch nichts anderes als schon sein Sekretär.

Wir machen uns also erstmal auf den Weg nach Gandiol, ein Stückchen südlich von St. Louis, zur Zebrabar, wo wir ein paar Tage campen und uns auch die Bescheinigung holen wollen. Aus der Stadt raus, fahren wir erneut in eine der berüchtigten Polizeikontrolle und diesmal geht es schon ganz anders zur Sache: Unser Auto hätte hinten nicht die vorgeschriebene rot-weiße Markierung, schnauzt uns der Polizist an, er nach seinem Aussehen zu urteilen auch Mitglied einer Streetgang sein könnte.

Ich denke nicht lange nach, springe aus dem Auto, zerre die gestreifte Warntafel raus und hänge sie hinten an. Der Polizist ist kurz irritiert, pampt dann aber sofort weiter, das würde so nicht gehen, das müsse über die ganze Breite angemalt sein und überhaupt sei das jetzt sowieso alles zu spät. Ich behaupte eiskalt, das sei in Deutschland verboten und schließlich müsse ich das Auto ja wieder mitnehmen, denn im Senegal könne es ja auch nicht bleiben, weil das ja ebenfalls verboten ist. Der Bulle wird nervöser, ich setzte mich wieder rein und schon kommt er angerannt, Stephan müsse jetzt aber Strafe bezahlen. Ich: Wieviel? Er: 12000! Ich: Was?? 12000??? Er: Ach, nee, ihr bringt mich ganz durcheinander. Der vor euch muss 12000 bezahlen, Ihr nur 6000. Ich: Nur wenn ich eine Quittung kriege. Er: Dann müsst ihr zum Polizeiamt. Stephan: Dann will ich vorher meinen Führerschein wieder. Er: Nein, den behalte ich, bis ihr bezahlt habt. Stephan: Ohne Führerschein fahre ich gar nirgends hin, das ist nämlich verboten.

Der Polizist wird immer nervöser, rennt zwischen den Autos hin und her, brüllt ab und zu, dass wir jetzt bezahlen müssen, und die Reihe seiner Kollegen, die das Geschehen auf Klappstühlen sitzend aus dem Hintergrund verfolgt, grinst und wartet gespannt darauf, wie die Sache ausgeht. Mir kommt ein Geistesblitz, und als er mal wieder vorbeischaut, frage ich ihn, ob ihm eigentlich klar sei, dass es sich hier um ein Wohnmobil handelt und nicht um einen LKW. Das sei doch sicher etwas völlig anderes. Er stutzt kurz, wird von einer Sekunde auf die andere viel freundlicher, nickt und meint dann, das sei tatsächlich etwas anderes. Außerdem habe ihm imponiert, dass ich einfach rausgesprungen bin und die Tafel drangeklatscht habe. Plötzlich hat Stephan seinen Führerschein mit Handschlag wieder. Nun heißt es "Bon route, mon ami, Wie heißt Du? Ich bin übrigens der Gay, und und bin immer hier...". "Gut", sag ich, "dann also bis morgen..." Und völlig fassungslos und mit Lachtränen in den Augen tuckern wir weiter zur Zebrabar, um endlich mal ein bisschen anzukommen.

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Kommentare: 3
  • #1

    michi (Samstag, 19 Februar 2011 16:31)

    hey, schon im senegal angekommen? meinen glückwunsch!
    wir sind seit einer woche wieder zuhause und ich bin damit gar nicht glücklich.
    geniesst die zeit und allzeit gute fahrt!
    michi

  • #2

    PIT (Donnerstag, 24 Februar 2011 17:22)

    ...das ist ja lustig, den kenne ich, warum ich nicht blinke nach dem ich den Landy schon abgestellt habe, ich: eure Autos haben ja oft überhaupt keine Blinker! Gay: das ist egal aber ich muss blinken.....4000 Cfa :-(
    ...es folgte noch ein überfahrenes STOP Schild das so verrostet war, eigentlich nicht zu lesen.. 5000 Cfa.grrrrr ich versprach trotzdem das Nächste mal Farbe mit zu bringen.

    PIT

  • #3

    Herr Onkel (Samstag, 26 Februar 2011 14:31)

    Hallo Steffi,
    ab sofort verfolgen wir den Rest Eurer Reise, nachdem wir auf dem Schorndorfer Wochenmarkt H&R.R
    getroffen haben. Nach der Reise hoffen wir auf einen ausführlichen Bericht in Schorndorf oder Weiler. Weiterhin offene Augen, Ohren und Nasen und glückliche Heimkehr! J&G

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