Ndanka-ndanka

Das ist Wolof, die im Senegal am weitesten verbreitete Sprache, und bedeutet soviel wie "langsam-langsam". Genau so setzen wir unsere Reise fort, nachdem wir uns endlich aufraffen können, unser "Feriencamp" bei St. Louis zu verlassen. Nun, schnell reisen wäre bei den Straßenverhältnissen hier ohnehin nur auf ausgewählten Strecken möglich...

Ndanka-ndanka bewegen wir uns also in Richtung Süden. Mehr und mehr Baobabs tauchen auf, dicke meist kahlgerntete Bäume, wir kommen durch kleine Dörfer, sehen jede Menge "Ferdinands", die hier – bunt bemalt und mit der Aufschrift "Al hamdulilah"  ("Gelobt sei Gott", oder umgangssprachlich auch "Gott sei Dank") – als Busse unterwegs sind, Kühe und Ziegen rennen über die Straßen und manchmal sehen wir riesige Geier, die sich über Rinder hermachen, die offensichtlich von einem Auto erwischt wurden. Dieser Anblick raubt mir fast den Atem – es ist fast wie Afrika im Tierfilm.

Nichts ahnend sind wir ausgerechnet am Geburtstag des Propheten aufgebrochen. Was dieser Tag im Senegal zu bedeuten hat, erfahren wir, als wir Tivaoune erreichen, eines der spirituellen Zentren des Landes. Heerscharen von Pilger sind zum Festtag angereist. Die Durchgangsstraße ist gesperrt, doch als wir einen Polizisten nach dem Weg nach M'Boro fragen, lässt er uns passieren. Wir brummen also mitten rein und im Schritttempo durchs Gewühl. Männer, Frauen, Kinder jeden Alters und in der buntesten Kleidung drücken sich durch die Straßen, dazwischen "Alhamdullilah-Busse", Fahrräder, Mofas. Links und Rechts des Weges Händlerinnen mit Obst und Gemüse, Fressbuden und Souvenir-Stände. Es duftet intensiv nach einem fremden Land. Glücksspiele werden gespielt, hier wird geredet, dort gelacht... Schade, dass wir die Kamera nicht griffbereit haben. Andererseits hätten wir auch Skrupel gehabt, einfach so die Linse in die Massen der Pilger zu halten. Das ist eben auch Reisen: Die besten Bilder bleiben allein im Kopf!

In M'Boro versuchen wir einen weiteren Freund von René zu treffen, doch leider haben wir Pech: Er ist wie so viele zum Festtag nach Tivaoune gepilgert. Wir tuckern also weiter, über eine holprige Nebenstraße durch winzige Dörfer. Die Kinder am Straßenrand winken und rufen "Toubab! Toubab!" (Weißer/Weiße) wenn sie uns sehen.

Unterwegs kaufen wir auf dem Markt ein – unter großem Hallo und erschwerten Bedingungen: Kaum steigen wir aus dem Auto, schon werden uns Tabletts und Schüsseln mit Obst und Gemüse quasi vor die Brust gedrückt, damit wir auch ja etwas erstehen. Als wir uns freigekämpft haben und uns für eine Marktfrau entscheiden ist aber Ruhe – wenn man mal von circa 15 Kindern absieht, die mich umringen, um mir Plastiktüten zu verkaufen.... Die hält aber zum Glück die Marktfrau weitgehend in Schach, und Stephan holt schnell die Spülschüssel aus dem Auto, damit wir richtig afrikanisch einkaufen können.

Auf dem weiteren Weg in den Süden lassen wir die Petite-Côte, die Pauschalurlaubsmeile Senegals, rechts liegen. Wir finden es recht befremdlich, an luxuriöse Hotelanlagen vorbeizufahren und kurz danach wieder an ärmlichen Lehmhütten. Im Angesicht solch krasser Gegensätze verwundert es kaum, dass mancher Senegalese sich geradezu dazu aufgefordert fühlt, den Toubabs ein bisschen etwas von ihrem Reichtum abzuluchsen.

Wir entscheiden uns, erst etwas weiter im Süden wieder ans Meer zu fahren, dort wo die Petite-Côte ans Sine-Saloum-Delta grenzt. Auf dem Weg zur Landzunge nehmen wir einen Anhalter mit. Er erweist sich als Marabout (geistiger Führer sowohl islamischer als auch animistischer Gruppen, wobei sich beides oft vermischt) eines der Dörfer und als wahrer Glücksfall für uns. Abdelay weist uns den Weg weg von der Wellblechpiste (über die wir ewig gebraucht hätten) über die Schleichwege der Einheimischen. Alleine hätten wie die nie gefunden!

Auf der Landzunge campen wir in völliger Ruhe am Meer, baden im angenehm warmen Wasser (Ok, die Einheimischen finden es kalt!) und lernen Franzosen kennen, die hier ein Stück Land gekauft haben und die uns zu einer Party einladen: Ein weiterer Franzose, der hier gerade Urlaub macht, feiert seinen 50sten Geburtstag und hat seine Bekannten aus dem Dorf eingeladen. Es ist ein wildes Fest mit Feuer am Strand, Trommeln, Gesang und Tanz... und wieder jede Menge Bildern, die allein in unseren Köpfen bleiben werden.

Hier könnten wir gut noch ein paar Tage verweilen, doch in wenigen Tagen läuft unser Passavant aus, und so brummen wir weiter in Richtung Gambia.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Isabel (Mittwoch, 23 Februar 2011 21:19)

    "Out of this world..!" eure Bilder und Berichte in unser bescheidenes zu Hause zu bekommen, in den Feierabend mesines ganz alltäglichen Familienwahnsinns! Aber: mehr Bilder von Steffi bitte! Grüße!

  • #2

    Helene (Donnerstag, 24 Februar 2011 14:03)

    Donnerstag,24. 2.2011
    Wir sind wieder zurück ......brrr ... in der Kälte!
    Unsere Reise war nicht so abenteuerlich , aber auch die Emirate bieten noch ursprüngliche Ecken!
    Nun hat uns der Alltag schon wieder im Griff. zum Glück müssen wir hier nicht Schnee räumen!
    Liebe Grüße aus Weiler

  • #3

    team-ferdinand (Sonntag, 27 Februar 2011 22:03)

    Liebe Isabel,
    Du weißt doch, dass ich's mit Bildern von mir nicht so hab - und außerdem wartet Milla ja nur auf bilder von Stephan ;-)
    LG
    Steffi

Team Ferdinand
Eine Familie unterwegs im Oldtimer-Bus

Aktuell!

Wir sind zu viert! Seit 22. November ergänzt der kleine Lorenz das Team. Willkommen an Bord – wir freuen uns auf viele tolle Reisen mit dir!

 

Unser aktueller Standort: