Zurück im Senegal

Wir sind – nach der schnellsten und unkompliziertesten Grenzabfertigung seit Europa – wieder im Senegal. Hier im Süden ist die Vegetation üppig und recht tropisch: Wälder aus Palmen, Baobabs, Mango- und Kapokbäume säumen die Straßen. Immer wieder überqueren wir Flüsse und kommen an Sümpfen mit dicht wachsenden Mangroven vorbei. Eine große Gruppe Paviane löscht direkt neben der Straße an einem Wasserloch ihren Durst.

 

Wir tauchen immer tiefer ein in diese völlig andere Welt in Westafrika und haben bereits jegliches Gefühl für die Zeit verloren. Die Tage hier sind so intensiv, dass wir uns kaum vorstellen können, dass wir erst vor knapp drei Wochen her im Senegal angekommen sind.

 

Wir sind fasziniert von diesem Land und mögen seine freundlichen Menschen. Manchmal allerdings strengen sie uns ein bisschen an, weil man hier so eine ganz andere (oder gar keine?) Vorstellung von Privatsphäre und persönlichem Rückzugsbedürfnis hat. Und manchmal bringen sie uns zur Verzweiflung: So etwa als wir in Kafountine in der Herberge, neben der wir campen, Maolo kennen lernen, einen etwa dreijährigen Jungen.

 

Stephan bekommt mit, dass der Kleine eine Verletzung am Fuß hat und nicht laufen kann. Ganz Krankenpfleger schaut er sich die Sache an und muss feststellen, dass es sich um eine böse Brandwunde handelt, die, wie sich später herausstellt, schon mehr als eine Woche unter einem notdürftigen Verband sich selbst überlassen wurde. Kein Wunder, dass der Junge leidet! Stephan verbindet den kleinen Patienten neu und schaut sich die Verletzung auch am Abend nochmals an. Es ist aber klar, dass die Sache ernster ist und kaum von alleine heilen wird.

 

Das versuchen wir auch der Mutter zu erklären und schärfen ihr ein, dass sie mit Maolo unbedingt zur Krankenstation gehen muss. Sie lächelt und nickt, aber wir spüren deutlich, dass sie nichts dergleichen tun wird. Ohnehin wirkt sie recht desinteressiert und flicht lieber ihrer Schwester/Cousine/Freundin Kunsthaare auf den Kopf, während Stephan sich um ihren Sohn kümmert. Ist ja auch wichtiger... Wir verlassen sie ziemlich wütend und frustriert und gleichzeitig auch ratlos. So ähnlich muss sich die Ernüchterung anfühlen, von der Ärzte und Entwicklungshelfer immer wieder berichten.

 

Bevor wir Kafountine am nächsten Tag verlassen ist für uns beide klar, dass wir handeln. Die Mutter können wir nicht ändern, aber wir wollen das Kind nicht so zurücklassen. Wir besprechen uns mit Munier, einem der Jungs aus der Herberge, der sich ein bisschen um den Kleinen kümmert, und fahren dann alle zusammen zur Krankenstation. Der Sanitäter dort ist ziemlich ungehalten – zu oft sieht er Kinder, die viel zu spät zu ihm gebracht werden. Wir besorgen in der Apotheke das nötige Verbandmaterial und Salbe und bezahlen die weitere Behandlung im Voraus, so dass Munier unseren kleinen Patienten nur noch hinbringen muss. Die rund 8 Euro, die uns das kostet, sind für uns ein Klacks, aber Maolo können wir damit hoffentlich helfen. Seine Mutter wird daraus wahrscheinlich die Lehre ziehen, dass sich schon irgend ein blöder Toubab drum kümmern wird, wenn mal wieder etwas ist. Aber dieses Risiko gehen wir ein.

 

Am Abend wird uns unsere spontane Hilfe übrigens ebenso spontan vergolten, könnte man meinen: Auf der Suche nach einem Lagerplatz sanden wir uns böse ein. Schnell sind vier senegalesische Jungs zur Stelle, die uns mit vereinten Kräften raushelfen. Alleine hätten wir damit ganz schön zu tun gehabt! 

 

Sand und Schweiß vom Graben waschen wir uns anschließend bei einem nächtlichen Bad im Meer ab – inmitten herrlichstem Meeresleuchten! Ach, Westafrika ist eben schön!

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Helene (Dienstag, 01 März 2011 09:02)

    Na, Toubab, sei so blöd und helfe, wenns notwendig ist!
    Blühen die Kapokbäume gerade? Das müsste ein Traum sein.
    Weiter gute Reise und Grüße aus Weiler.

  • #2

    Matti (Dienstag, 01 März 2011 17:26)

    Was für Erlebnisse. Ich hoffe ich ziehe die richtige Lehre. Fernweh? Jaaaaaa!

  • #3

    Isabel (Dienstag, 01 März 2011 20:53)

    War letzte Woche mit Milla und Paul in "Afrika im Zirkus" (=Wilhelma) und haben auch diese Schlammhüpfer Fische gesehen. Milla wird staunen, wenn ich ihr morgen eure neuenb Bilder zeige. Wo sind aber die Flusspferde?! Grüße

Team Ferdinand
Eine Familie unterwegs im Oldtimer-Bus

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Nach längerer, ungeplanter Internet-Diät, sind wir Ende November in Griechenland angekommen. Irgendwie finde ich seither nicht mehr so recht ins Bloggen. Aber bald werde ich versuchen, das Reisetagebuch wieder up to Date zu bringen. Bis dahin könnt ihr auf facebook sehen, was wir so treiben...

 

 

 

 

 

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