Durchs Ziegenbäumewunderland

Wir sind faul geworden – sehr faul! Vielleicht hat uns die gemütliche Zeit mit unseren Freunden in Sidi Ouassai und Tamraght ein bisschen träge gemacht. Vielleicht fordern aber auch unsere Sinne einfach mal eine Pause ein, nach all den Eindrücken, die wir unterwegs gesammelt haben.

Von der Küste aus tuckern wir durchs Ziegenbäume-Wunderland nach Tafraoute im Antiatlas, wo wir René wieder treffen. In Tafraoute wird uns das Faulsein extrem leicht gemacht: Wir campen auf der großen Wiese in der Nähe des Ortes, wo wir nicht nur ein schönes Plätzchen mit Feuerstelle unterm Arganbaum ergattern, sondern auch Rundumservice genießen: Den Brotverkäufer verschlafen wir zwar meistens, aber dafür kommt ja René jeden Morgen mit frischem Brot zum Frühstücken vorbei. Gegen Mittag macht ein Tanklaster die Runde, der die Camper für ein paar Dirham mit Wasser versorgt. Natürlich kommen auch Argenölverkäufer und Werkstattbesitzer direkt ans Auto und bieten ihre Dienste an. Am frühen Nachmittag machen wir uns auf den Weg ins Städtchen, trinken Kaffee, gehen in den Hammam oder kaufen ein, denn bald ist ja schon wieder Zeit, gemeinsam mit René eine Tajine vorzubereiten oder den Grill anzuwerfen...

Irgendwann zieht es uns dennoch weiter, schließlich gibt es noch viel zu entdecken. Vorher aber statten wir den blauen Felden einen obligatorischen Besuch ab und sind schockiert: Die lieben Marokkaner wollten wohl eine große Touristen-Attraktion erhalten und haben daher beschlossen, den Felsen, die einst der belgischen Künstler Jean Verame mit spezieller Farbe und unter großem Aufwand in verschiedenen eher organischen Blautönen bemalt hat, einen neuen Anstrich zu verpassen – in einer marokkanischen Hau-Ruck-Aktion. Die Felsen leuchten nun schon von Weitem in Quietschblau, Grellpink und schrillem Grün und bieten einfach einen furchtbaren Anblick – so furchtbar, dass wir auf's Fotografieren lieber verzichten. Das hätte uns aber sowieso nichts gebracht: Beim Übertragen unserer Fotodateien auf den Rechner gab es ein Unglück, so dass ein großer Teil der Bilder aus diesem Reiseabschnitt verloren gegangen sind – wir hoffen nicht unwiederbringlich. Für den Moment bedeutet das allerdings, dass wir nur ganz wenige Fotos zu diesem Bericht einstellen können...

Nachdem wir uns vom blauen Schock soweit erholt haben, dass wir wieder fahrtüchtig sind, machen wir uns auf den Weg über den Antiatlas in Richtung Ouazazarte und weiter nach Agdz im Draatal. Wir campen an einsamen Orten, an denen uns höchstens mal ein Nomade mit seiner Ziegenherde besucht, staunen über die Mondlandschaft, die wir zwischen Ouazazarte und Agdz durchqueren, verwöhnen unsere Augen mit dem üppigen Grün der Palmengärten, stöbern auf dem Souk zwischen Eimern und Schüsseln aus alten Autoreifen und skurrilen Zutaten für allerlei Magie und müssen ein um das andere Mal über den vermessenen Ausspruch des Zollbeamten in der Westsahara lachen: Von wegen Europa – mit der uns bekannten Welt hat das hier alles herzlich wenig gemeinsam!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Betty (Mittwoch, 18 Mai 2011 23:42)

    Ich hoffe, Ihr könnt Eure Photos retten. Und wenn nicht: Ihr habt sie im Kopf !! ;-)
    Was für tolle Dinge Ihr erlebt! Das freut mich so für Euch! Und ich bin auch nur ein gaaanz kleines bißchen neidisch über Euern tollen Trip!
    Ganz liebe Grüße. Betty

Team Ferdinand
Eine Familie unterwegs im Oldtimer-Bus

Aktuell!

Nach längerer, ungeplanter Internet-Diät, sind wir Ende November in Griechenland angekommen. Irgendwie finde ich seither nicht mehr so recht ins Bloggen. Aber bald werde ich versuchen, das Reisetagebuch wieder up to Date zu bringen. Bis dahin könnt ihr auf facebook sehen, was wir so treiben...

 

 

 

 

 

Unser aktueller Standort: