Geliebtes, nerviges Marokko

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir lieben dieses Land und seine Menschen. Und mit den meisten "Eigenheiten" kommen wir klar oder müssen herzlich darüber lachen. Aber irgendwann ist immer auch ein Punkt erreicht, an dem wir nur noch genervt sind. Und so kommen wir mal wieder beide fluchend aus der Dusche, weil das Wasser mal wieder kalt war - das heißt zuerst viel zu heiß, dann kalt, dann wieder heiß, dann nur noch kalt. Dabei ist das Scheiß-Ding so neu, dass noch der Aufkleber in der Duschwanne klebt, aber es geht halt nicht. Oder wir haben das System mal wieder nicht kapiert. Und die Amatur ist auch schon wieder lose (oder immer noch)... Aber das alles ist natürlich nur ein kleiner Nebenschauplatz. Wir sind in die Mühlen der marokkanischen Administration gelangt - und das fordert Zeit, Geduld und Nerven...

Wir wollen noch möglichst viel von unserer kostbaren verbleibenden Reisezeit in Marokko verbringen. Zum einen haben wir noch einiges vor, zum anderen ist uns Spanien im Februar einfach noch zu ungemütlich. Das bedeutet, wir müssen unser Visum verlängern. In Dakhla wäre es einfach gewesen, aber wir waren zu früh dran. In anderen Städten, so hören wir von anderen Reisenden, soll es komplizierter sein. Andere behaupten sogar, es sein geradezu unmöglich, wenn man nicht mindestens einen Monat fix auf einem Campingplatz steht. Das entspricht nicht unserem Reisestil und kommt daher nicht in Frage. Es muss also irgendwie anders gehen...

 

Der Plan: Wir fragen ab Tata immer wieder mal an, in der Hoffnung, dass es irgendwann klappt. Und im schlimmsten Fall stehen wir eben am 28. in Melilla an der Grenze und fahren nochmals eine Schleife.

 

Die Sache lässt sich gut an. Wir geraten bei der Gendarmerie an einen freundlichen und sehr hilfsbereiten Commandant de la Brigade, der uns das Prozedere erklärt. Formular bei der Police abholen (Warum er es selbst nicht hat, wissen wir nicht), ausfüllen, 5x kopieren, ebenso 5 Kopien vom Pass und vom Einreisestempel und der Police-Nummer, 5 Fotos dazu und zu ihm zurück.

 

Wir erledigen unsere Hausaufgaben prompt und stehen nach der Mittagspause wieder bei der Gendarmerie. Ach ja, die Kopie einer Bankkarte bräuchte er noch und alles bitteschön bei der Municipalité beglaubigen lassen. Und, ach ja, dann noch die Attestation über unseren Aufenthalt in Tata. Genau hier kommen wir also zum Problem. Ich erkläre ihm, wir seien Reisende und hätten nicht vor, wochenlang auf einem Campingplatz zu sitzen. Nein, kein Problem, sagt er, checkt für eine Nacht ein, lasst Euch den Wisch geben, bringt ihn mir und fahrt, wohin ihr wollt... Wenn ihr Fragen habt oder irgendwelche Probleme, hier ist meine Telefonnummer, ihr könnt euch jederzeit melden.

 

Das klingt schon fast zu einfach. Und tatsächlich: Der Campingplatzbesitzer rückt die Bescheinigung nur für Kunden raus, die mindestens 30 Tage bei ihm verbringen. Das sei die Bedingung der Stadt, lügt er mir mitten ins Gesicht. Wir wählen also unsere Telefonjoker, und der Herr Kommandant gibt sich bestürzt. Er wolle sich mal erkundigen, legt auf und - wie können es kaum fassen - ruft tatsächlich knapp 10 Minuten später zurück. Nein, dazu habe der Campingplatzbesitzer kein Recht. Wir sollen uns schonmal um die restlichen Papiere kümmern, er werde die Sache für uns regeln.

 

Wir gehen also nochmals kopieren und dann zur Municipalité zum Stempeln. Der zuständige Herr dort zeigt uns stolz seinen BVB-Aufnäher auf der Jacke und stempelt sich dann 'nen Wolf. Wieso wir denn Kopien für's Baby gemacht hätten, wer das den von uns verlangt hätte? Nun, die Polizei. Das Baby hat einen Pass und einen Einreisestempel, also braucht es auch eine Verlängerung und dafür ein eigenes Dossier. Das leuchtet ihm ein, er stempelt weiter, unterschreibt, klebt Briefmarken... Lotta verhält sich die ganze Zeit übrigens äußerst vorbildlich: Sie versprüht ihren Baby-Charme und jauchzt das Bild des Königs an, das in jedem Büro hängt (Darüber werden wir zu einem späteren Zeitpunkt nochmals mit ihr reden müssen).

 

Leider hat unser Mann bei der Polizei mittlerweile Feierabend, und nun sind zwei Tage Prophetengeburtstag. Wir stecken also fest, duschen kalt und ärgern uns, dass es ausgerechnet in Tata scheinbar nichts vernünftiges zu Essen gibt. Dann entdecken wir zu allem Überfluss auch noch, dass wir bei unserem Ausflug an den Oued Draa (dazu ein andermal mehr) die Spurstange verbogen haben.

 

Die Idee, die Wartezeit für die Reparatur zu nutzen verwerfen wir schnell: Wer mit hängenden Schultern neben dem Auto steht, den wirklich auffälligen Knick in der Spurstange erst nach mehreren Hinweisen entdeckt und dann auch noch fragt, ob wir denn Werkzeug hätten, damit er das Ding ausbauen und mitnehmen kann, kommt mit uns nicht ins Geschäft. Wir vertagen die Sache lieber und suchen uns eine vernünftige Werkstatt in Zagora. Eines nach dem anderen...

 

Klar, dass wir nach dem Prophetengeburtstag bei der Gendarmerie auflaufen und nichts ist geregelt. Für den Herrn Kommandanten ist alles immer noch total easy. Mein sonst so ruhiger Stephan ist allerdings kurz vorm Platzen. Ich muss also die Besonnene mimen. Lotta verhält sich mal wieder sehr vorbildlich und erinnert durch ihr Quängeln, daran, dass hier eine Familie steht, der geholfen werden muss... Für einen Momant haben wir den Eindruck, dass die ganze Warterei umsonst war.

 

Doch eine Stunde später haben wir noch einen zweiten Helfer auf unserer Seite dann plötzlich sogar die Wahl zwischen zwei verschiedenen Bescheinigungen. Wir müssen nur noch mal zur Municipalité (diesmal im Vorort), die Bescheinigung vom Président de la Commune unterzeichnen lassen (Nein, Monsieur, wir können nicht Morgen nochmals wiederkommen, geht das nicht auch heute? Stöhnen und Augen verdrehen des Sekretärs aber es geht...) können dann unsere vollständigen Dossiers einreichen und rollen endlich aus der Stadt in Richtung Zagora. Die Sonne scheint und leckere Brochettes mit Pommes in Foume Zgouid lassen Marokko plötzlich wieder in einem freundlichen Licht erstrahlen. Und in einigen Tagen können wir - in-shallah - unsere Verlängerung in Empfang nehmen. Ach, wenn wir ehrlich sind: Wir lieben dieses Land – auch, wenn es mit seinen Eigenheiten manchmal ein bisschen nervt....

 

 

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