Die Ahnengalerie

Die Begeisterung dafür, mit dem Brummen eines Dieselmotors in den Ohren zu reisen, wurde mir schon früh mitgegeben. Von 1972 bis 1983 hat mein Vater drei veschiedene Transporter für die Familie ausgebaut: Unsere Uris (von Urlaubsauto – der Begriff Wohnmobil war in den 70ern noch nicht so gängig). Und so zogen wir bei jeder Gelegenheit los... Eine Nachbarin aus meinem schwäbischen Heimatdorf kommentierte das gegenüber meiner Mutter mal so: "Frau Reinberger, kaum säh i sie am Freidag vom Schaffe komme, fahret se au schon wieder weg. Saget se mol, wann butzet sie eigentlich?"

 

Der rote Uri

Angefangen hat alles mit einem wunderschönen, feuerwehrroten Mercedes 319. Besondere Kennzeichen: Selbst gegossenes Hubdach, wunderbares Klappbett für mich, später ein Hängebett für meine Schwester und bei offenen Hecktüren konnten wir quasi auf dem Balkon frühstücken. Ach ja, soweit ich mich erinnern kann, sprang er auch nicht besonders gerne an...

 

Der rote Uri, 1972-1975 – in der Tür sitzend: Steffi
Der rote Uri, 1972-1975 – in der Tür sitzend: Steffi

Bereits als mein Vater den Bus kaufte, meinte ein Mercedesmensch und selbsterklärter Fachmann aus unserem Dorf: "Oh je, mit dem däd i ja netmol an Bodasee fahra..." Das schreckte meinen Vater aber nicht ab (Meine Mutter schon, aber sie hatte keine Wahl), und so fuhr der rote Uri noch einige Male mit uns nach Frankreich. Und später, als meine Eltern ihn verkauft hatten, mit zwei Studis bis ans Nordkap. Weiter ließen sich seine Spuren leider nicht verfolgen.

 

Der grüne Uri, auch Grong-Grong genannt

Es kam wie es kommen musste: Der Rote wurde zu klein für uns. Die Sache mit dem Hängebett ging nur so lange gut, wie meine Schwester ein Baby war. Er wurde verkauft – unter Tränen, wobei ich angeblich vor allem um die Aufkleber weinte, die ich ihm auf die Hecktüren kleben durfte (Die netten Studis haben sie abgelöst und mir in einem Briefumschlag geschickt!!!). Wie auch immer: Ich war damals noch keine fünf Jahre alt, kann mich aber noch gut an die dramatische Szene erinnern, als wir auf dem Balkon standen und unserem Uri nachwinkten.

 

Der grüne Uri, 1975–1979 – vorne im Bild: Steffi
Der grüne Uri, 1975–1979 – vorne im Bild: Steffi

Doch der Nachfolger ließ nicht lange auf sich warten. Und er war ein würdiger Nachfolger: groß, grün, laut. Wer den Mercedes 508 kennt, weiß, warum wir ihm den Beinamen "Grong-Grong" gegeben haben. Weitere Besonderheiten: Die Hecktür war geteilt, so dass oben am Essplatz ein Panoramafenster Platz fand, und unter den Sitzen trotzdem von außen zugänglicher Stauraum war. Und unter dem (kleinen und von der Stange gekauften) Hubdach hatte ich mein Süßigkeitenversteck...

 

Der satte Sound des Grünen und die vielen tollen Urlaube (vor allem in Südeuropa) haben sich tief in mein Gedächtnis eingegraben. Als irgendwann die Entscheidung anstand, mir einen eigenen Bus zu kaufen, kam ich am 508 gar nicht vorbei. Auch als meine Schwester Ferdinand begutachtete und ihren Kopf in die Fahrerkabine streckte meinte sie: "Du meine Güte, der riecht ja genau wie früher!" Ein 508 prägt eben.

 

Übrigens: Der Grüne fährt noch! Im Sommer 2009 kam eine Postkarte aus Griechenland, wo er sich frisch lackiert mit seinen Besitzern (das Paar, das ihn von meinen Eltern gekauft hat) vergnügte.

 

Uri III

Wer kein Schrauber ist, oder nicht wenigstens einen Matthias hat, den kann so ein 508 arm machen. Das war in den 70ern nicht anders als heute. So wurde auch dieses Prachtexemplar irgendwann verkauft, und es folgte ein VW LT. Kleiner, weniger farbenfroh, nicht annähernd so laut... doch für den Fahrer sicherlich die komfortabelste Variante. Und auch mit Uri III haben wir viel erlebt. Am eindücklichsten ist mir ein vierwöchiger Urlaub in Norwegen in Erinnerung geblieben...

 

Uri III, 1980–1984 – mit der Prinz-Eisenherz-Frisur: Steffi
Uri III, 1980–1984 – mit der Prinz-Eisenherz-Frisur: Steffi

Später, 1983, wurden meine Eltern irgendwie sesshaft und bauten ein Haus. Uri III diente noch eine Zeitlang als Bau- und Umzugswagen und wurde dann, mit neuen reiselustigen Besitzern, in die Freiheit entlassen. Eine Ära war zu Ende, doch das Team Ferdinand setzt sie würdig fort. Und auch mein Vater geht derzeit wieder mit Ausbauplänen schwanger... Wir werden sehen, was die Zukunft bringt!

 

 

Ach ja, wer sachdienliche Hinweise zum Verbleib eines dieser Fahrzeuge hat, darf sie gerne hier hinterlassen – wir freuen uns wie verrückt!

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Michi (Montag, 06 Dezember 2010 17:18)

    Hach, ist Uri I schön! So ein Prachtexemplar! Aber Dein Ferdinand ist auch super! Wann geht denn Euere Reise nun los? Hab kurz mal gestöbert und die Lage hat sich wohl etwas entspannt....
    Wünsche noch stressfreie letzte Vorbereitungswochen.

    Ein Treffen wäre toll! :-)

    Viele Grüsse aus Indien
    Michi

  • #2

    Heinz (Dienstag, 01 Februar 2011 07:58)

    Hallo Ihr weltenbummler, so wie's ausieht liegt das reisen bei der familie Reinberger (wenigstens einem teil davon) im blut, und hat vermutlich schon fuer lange zeit in mir geschlummert....
    naja, und dann noch der richtige partner....
    Ich wuensche euch Happy Travels and a lot of enjoyable clicks on the clock...

Team Ferdinand
Eine Familie unterwegs im Oldtimer-Bus

Aktuell!

Nach längerer, ungeplanter Internet-Diät, sind wir Ende November in Griechenland angekommen. Irgendwie finde ich seither nicht mehr so recht ins Bloggen. Aber bald werde ich versuchen, das Reisetagebuch wieder up to Date zu bringen. Bis dahin könnt ihr auf facebook sehen, was wir so treiben...

 

 

 

 

 

Unser aktueller Standort: